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Lily Dahab “Huellas” (gesprochen: hueschas)

Die musikalischen Pole, zwischen denen sich argentinische Klänge auffächern, liegen immens weit auseinander : Tango und Folklore, feine Songwriterpoesie und argentinischer Rock und Pop – all diese Klänge haben ihre Spuren in der Musik von Lily Dahab hinterlassen. Auf ihrem neuen Album Huellas findet die Gesangsnomadin und Wahlberlinerin im Kreise ihres intim begleitenden Quartetts zu ihrer Heimat zurück, erzählt in einer kongenial erfrischenden Verbindung mit dem Jazz ihre ganz persönliche, berührende Musikhistorie Argentiniens – und dies mit einer Ausnahmestimme, die die Badische Zeitung als “leuchtenden Honig” pries. Ihr kosmopolitischer Lebensweg gäbe Stoff ab für einen bewegten Reiseroman: aufgewachsen in Buenos Aires studiert sie dort Musik, nimmt ein Boleroalbum auf und beginnt parallel eine Musical-Karriere. Nach einer Hauptrolle in “Cats” zieht es Lily für neun Jahre und viele weitere Hauptrollen nach Spanien, wo sie unter anderem in Barcelona als Zigeunerin Esmeralda in der zeitgenössischen Musical Version von Victor Hugo’s “Glöckner von Notre Dame” auf der Bühne steht – eben jene Rolle, die auch die israelische Sängerin Noa in Paris übernahm.

Doch die Frau mit der hinreißenden Stimme und der bildschönen Natürlichkeit lässt sich nochmals auf einen Paradigmenwechsel ein. Die Liebe und nicht zuletzt auch die vibrierende Kreativszene lässt sie nach Berlin übersiedeln. Dort findet sie in Gestalt des Pianisten Bene Aperdannier (jazzIndeed/Michael Schiefel, Jocelyn B.Smith, Jessica Gall) einen musikalischen Partner und Arrangeur, der ihre Stimme in eine einfühlsame, delikate und detailverliebte Umgebung setzt. Mit ihm und seinem Quartett entsteht 2010 das Debütalbum nómade, welches gleich für den “Preis der Deutschen Schallplattenkritik” nominiert wird.

Was nun folgt darf wohl als kleines Meisterwerk bezeichnet werden. Neben den eigenen wunderbar originellen Eigenkompositionen schöpft die Argentinierin auf ihrem zweiten Album aus dem reichen Schatz an Folklore und Tangos, bedient sich feinstem argentinischem songwriting und brasilianischer Bossa Nova und kombiniert so zusammen ein Repertoire, das ganz individuelle Züge trägt, jazzige Frische mit verträumter Melancholie, feurige Dramatik mit überschwänglichem Herzblut vereint.

“Diese Platte wärmt wunderbar von innen, ein rundum überzeugendes Werk.” (jazzthing),”Charisma in wärmsten Farben” (Hessische Allgemeine), “Sie kann mit der Stimme küssen!” (Badische Neueste Nachrichten), “Die Kritiker sind hingerissen. Und das Publikum auch.” (MDR), “Furios!” (Rhein-Lahn-Zeitung) – so nur einige der Lobeshymnen auf das Album und die zahlreichen begleitenden Konzerte, die sie auch bereits schon auf die ersten großen europäischen Jazzfestivals führen.

In der Tat bezwingt Lily Dahab mit einer Vokalkunst, die ihresgleichen sucht: Mühelose Intonationssicherheit paart sich mit kristallklarem, transparentem Ausdruck, von zarter Schwermut bis zu betörendem Feuer, von arabeskem Schweifen bis zu delikater Innigkeit wandelt sie sich manchmal innerhalb weniger Takte. Mit ihrem Traumteam präsentiert Lily Dahab nun das zweite klingende Kapitel aus ihrer neuen Heimat Berlin. Huellas bedeutet “Spuren” – und ihnen, sowohl genetisch, wie auch emotional und musikalisch folgt Lily Dahab. “Wenn du einen Song aussuchst oder schreibst, dann rührst du an etwas in dir, das darauf wartet, herauszukommen, wie ein schlafender Vulkan, der dann in Form von Musik zu neuem Leben erwacht”, sagt sie. Ausgewählt hat sie eine erstaunliche Palette an Liedern, die alle eine Bedeutung in ihrem Leben haben: “Ob nun Folklore oder Tango – es mögen sehr verschiedene Stile sein, doch sie sind alle Teil der Musik Argentiniens. All diese Autoren haben eine Spur in mir hinterlassen, denn ich habe ihre Songs schon gesungen, als ich sehr jung war, sie haben meine Jugend begleitet. Und nun singe ich sie mit einem reiferen Zugang”.

Und so offenbart sich Huellas als bewegende Widmung an eine zurückgelassene und doch stets in der Seele verankerte Heimat – Lily Dahab hat sich ihr mit jeder Faser und jedem Herzschlag, mit Passion, Sehnsucht, Nachdenklichkeit und Freude verschrieben.

Lily Dahab – voc

Bene Aperdannier – piano, rhodes, melodica, glockenspiel

Jo Gehlmann – git

Andreas Henze – double bass

Topo Gioia – percussion